Neuigkeiten

Der Hindenburgdamm: Der häufigste Weg für Urlauber nach Sylt

Der Hindenburgdamm: Der häufigste Weg für Urlauber nach Sylt

Wer sich für einen Urlaub auf der schönen Nordseeinsel Sylt entscheidet, hat drei Möglichkeiten, sein Ziel zu erreichen: Über den Luftweg, den Seeweg oder zu Lande. Letzteres wird durch den Hindenburgdamm ermöglicht, der die Insel als sogenannte „Lebensader“ mit dem Festland verbindet. Abgesehen von seiner Bedeutung für den Tourismus wird der Damm sowohl von Pendlern aus der Region als auch für den Güterverkehr zur Warenanlieferung vom Festland auf die Insel benutzt. Tag für Tag wird die Strecke nahezu stündlich von Regionalzügen der Nord-Ostsee-Bahn und mehrmals täglich von Intercity-Zügen befahren. Darüber hinaus kommt auf dem Damm auch der Autozug zum Einsatz. So werden jährlich über den Hindenburgdamm rund eine Millionen Fahrzeuge und knapp vier Millionen Menschen per Zug und Autozug transportiert.

Mit dem eigenen Fahrzeug nach Sylt

Der Autozug, auch als Sylt-Shuttle bekannt, befördert sowohl Pkws als auch Lkws vom Festland auf die Insel. So rollen im Sommer circa 450.000 Autos über die knapp 100 km² große Insel. Die Verladung der Fahrzeuge und der Fahrtbeginn finden im Terminal Niebüll statt. Die Fahrzeuge werden auf dem Zug platziert, bei Fahrtantritt können es sich die Fahrgäste in ihrem Fahrzeug gemütlich machen und die Aussicht genießen. In der Hauptsaison fährt das Shuttle alle dreißig Minuten. Ansonsten verkehrt der Autozug im 30- bis 90-Minuten-Takt. Die durchschnittliche Fahrtzeit des Shuttles von Niebüll nach Sylt beträgt rund 35 Minuten. Nur 10 Minuten davon braucht der Zug für die Überquerung des Damms. Seit 2016 befährt auch der „Sylt Autozug“ des amerikanischen Unternehmens Railroad Development Corporation Deutschland diese Strecke. Mit dem neuen Wettbewerber muss sich das Sylt-Shuttle seither die wohl rentabelste Zugstrecke Deutschlands teilen. Der Preis für eine einfache Überfahrt liegt für einen Pkw bei 55,- €, für Hin- und Rückfahrt beträgt der Preis 97,- €. Eine genaue Preisübersicht sowie die Fahrpläne finden Sie hier: http://www.syltshuttle.de/syltshuttle-de/start/tarif_2017.html.

Der Bau des Damms - Wie alles begann

Nachdem schon ab 1921 kleiner Vorarbeiten durchgeführt wurden, begann der eigentliche Bau des Damms im Mai 1923. Die ersten Bemühungen wurden schon bald von einer Sturmflut im August 1923 zunichte gemacht. Um einen derartigen Rückschlag in Zukunft zu vermeiden, erbaute man im darauffolgenden Jahr eine Spundwand durch das Watt. Die Spundwand besteht aus ineinander greifenden, in den Boden gerammten Holzbohlen und dazwischen gestopften Strohballen und sollte das Wasser abhalten.

Tag und Nacht waren 1500 Arbeiter fortan beim Bau beschäftigt. Das nötige Baumaterial lieferten täglich 70 Zugwaggons vom Festland. Zusätzlich dazu wurden Baustoffe aus Husum von 30 Seglern, drei Schleppern und 20 Lastkähnen angeliefert. Insgesamt wurden 3,6 Millionen Kubikmeter Erde, über 400.000 Tonnen Steine, Kies, Busch und Pfähle für den Damm bewegt. So erreichte das rund zehn Meter hohe Bauwerk eine Sohlenbreite von 50 Metern, die Dammkrone hat eine Breite von zehn Metern.

1927 wurde die elf Kilometer lange Verbindung zwischen Sylt und dem Festland nach vier Jahren Bauzeit endlich fertigstellt. Seinen Namen verdankt das Bauwerk Paul von Hindenburg, der zur Einweihung anreiste. Obwohl die Namensgebung lange Zeit nebensächlich war, entschied man sich sozusagen in letzter Minute am Tag der Einweihung: „Hindenburgdamm“ sollte die Verbindung von nun an heißen. Trotz einiger Kritiker gab es überzeugende Gründe für den Bau. Nachdem Westerland 1855 zum Seebad ernannt wurde, stiegen automatisch die Gästezahlen auf der Urlaubsinsel. Als Lösung für diesen Andrang brauchte man eine dauerhafte und schifffahrtsunabhängige Transportmöglichkeit, die Sylt über das Wattenmeer hinweg mit dem Festland verbindet. Nach wie vor hat der Hindenburgdamm heute eine fundamentale Bedeutung für Sylter und Urlauber, doch seine ursprüngliche Länge konnte der Damm nicht halten: Durch Schlick- und Sandablagerungen ist der Damm heute nur noch acht Kilometer lang.

Bald fährt man zweigleisig über den Hindenburgdamm

Zugausfälle, ständige Verspätungen sowie genervte Pendler und Reisende auf der Strecke zwischen Westerland und Husum – dem soll bald ein Ende gemacht werden. Geplant ist ein Ausbau der Sylter Lebensader: Laut dem schleswig-holsteinischen Verkehrsminister Bernd Buchholz soll mit der Planung für den Ausbau der letzten eingleisigen Bahnabschnitte zwischen Morsum und Keitum sowie Niebüll und Klanxbüll begonnen werden. Doch der Schienenbau fällt in die Zuständigkeiten des Bundes, der die Strecke bis 2030 nicht in den Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt hat. Lediglich die Strecke zwischen Klanxbüll und Niebüll wird als potenziell ausbauwürdig betrachtet. Wie geht es also weiter? Buchholz steht klar hinter dem Projekt und gab an, dass 2,5 bis drei Millionen Euro seitens des Landes zur Verfügung stehen. Ob sich die Planung des Ausbaus zwischen Morsum und Keitum lohnt, wird sich noch herausstellen – die endgültige Entscheidung wird jedoch letztendlich auf Bundesebene gefällt. Außer Frage stehen jedoch die Vorteile. Ein zweigleisiger Ausbau der Strecke würde den Verkehr enorm verbessern.